Noch immer bewirtschaften viele Unternehmen in Deutschland ihre Daten nicht effizient und nutzen die Vorteile zu wenig, die das Teilen von Daten mit anderen Betrieben bietet.

Bestellen, produzieren, verkaufen: Bei allen Aktivitäten entlang der Wertschöpfungskette fallen Daten an. Diese Daten sind weit mehr als nur Zahlen und Buchstaben. Werden sie effizient gespeichert, gemanagt und genutzt, können Unternehmen ihre Prozesse, Produkte und Dienstleistungen dokumentieren, analysieren und weiterentwickeln – und davon wirtschaftlich profitieren.

Doch die meisten Unternehmen in Deutschland schöpfen das Potenzial der verfügbaren Daten nicht oder nur unzureichend aus, wie eine IW-Befragung von Industriefirmen und industrienahen Dienstleistern zeigt.

Im Durchschnitt aller Branchen verfügen nur 29 Prozent aller Unternehmen in Deutschland über die Voraussetzungen, um Daten effizient zu bewirtschaften, sind also „data economy ready“.

© 2022 IW Medien / iwd

So viel Prozent der Unternehmen in Deutschland verfügen über die Voraussetzungen, um Daten effizient zu bewirtschaften

 

Am höchsten ist der Anteil der Unternehmen, die bereit für eine effiziente Datenbewirtschaftung sind, in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sowie im Bereich Elektrotechnik und Maschinenbau mit 47 beziehungsweise 46 Prozent.

Die Spitzenposition der IKT-Branche passt zu ihrer generellen Vorreiterrolle bei der Digitalisierung der Produkte und Prozesse. Damit belegte die Branche im vergangenen Jahr Rang eins im Digitalisierungsindex (siehe Deutschland wird nur ein wenig digitaler).

Am anderen Ende des Rankings zur Data Economy Readiness liegt die Verkehrs- und Logistikbranche: Hier sind gerade mal 13 Prozent der Firmen gut aufgestellt, um Daten effizient zu bewirtschaften.

Das starke Branchengefälle ist angesichts der höchst unterschiedlichen Produkte und Geschäftsmodelle bis zu einem gewissen Grad plausibel. Grundsätzlich aber dürfte es in allen Branchen Spielraum geben, die systematische Datennutzung auszubauen. Geschieht dies nicht, droht ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit.

Die Vorteile des Data Sharing

Denn erst eine effiziente Datenbewirtschaftung schafft optimale Voraussetzungen dafür, dass Unternehmen mit anderen Firmen Data Sharing betreiben, also zu geschäftlichen Zwecken Daten empfangen oder abgeben können. Das wiederum kann den Unternehmen beispielsweise helfen, ihre Lieferketten zu optimieren: Kommt es bei Vorleistungen für ein Produkt zu Engpässen, können die Unternehmen auf nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette schneller reagieren, wenn ihnen die entsprechenden Daten in Echtzeit zur Verfügung stehen. Ebenso können sich Hersteller mithilfe des Data Sharing schneller und zielgerichteter darauf einstellen, wenn sich die Nachfrage nach Produkten ändert.

Diese Chancen lässt die Mehrzahl der Unternehmen allerdings bislang weitgehend ungenutzt.

Über alle Branchen hinweg betreiben lediglich 27 Prozent der Unternehmen in Deutschland Data Sharing mit anderen Firmen.

© 2022 IW Medien / iwd

So viel Prozent der Unternehmen in Deutschland stellen ihre Daten anderen Unternehmen zur Verfügung oder empfangen Daten von ihnen

 

Mit 47 Prozent ist der Anteil der Firmen im Bereich der unternehmensnahen Dienstleister am größten. Ein naheliegender Grund: Die Arbeit von Unternehmensberatern, Wirtschaftsprüfern, Marktforschern oder Unternehmen, die in der Forschung und Entwicklung tätig sind, setzt die Analyse externer (Kunden-)Daten voraus.

Auch in der Branchengruppe Elektrotechnik und Maschinenbau ist Data Sharing mit 34 Prozent noch relativ weit verbreitet. Offenbar nutzen viele Firmen die Daten, die beim Einsatz ihrer Maschinen anfallen, um ihre Produkte und Dienstleistungen weiterzuentwickeln.

Dass insgesamt nicht mehr Unternehmen in Deutschland auf Data Sharing setzen, ist laut der IW-Umfrage vor allem datenschutzrechtlichen Bedenken geschuldet. Aber auch organisatorische Fragen sehen viele Unternehmen als ungeklärt an.

Möglicherweise sind diese Hemmnisse in vielen Betrieben auch deshalb noch nicht ausgeräumt, weil die Verantwortlichen gar nicht wissen, inwieweit Data Sharing für sie sinnvoll wäre. Dies könnte sich ändern, gäbe es mehr konkrete und für andere Firmen zugängliche Anwendungsbeispiele zur Datenbewirtschaftung.

Dateninfrastrukturinitiative schafft Vorbilder

Immerhin gut 90 solcher „Use Cases“ sind bis jetzt im Rahmen der europäischen Dateninfrastrukturinitiative „Gaia-X“ erstellt worden. Sie können Unternehmen, die Daten gezielt und effizient einsetzen wollen, als Vorbild dienen. Allerdings decken die vorliegenden Anwendungsbeispiele längst nicht alle Branchen ab — allein rund ein Viertel bezieht sich auf den Gesundheitssektor. Die Politik sollte also weitere Leuchtturmprojekte fördern, die vor allem auf die Industrie und dabei auch auf kleine und mittlere Unternehmen abstellen.

 

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form.
Wir meinen immer alle Geschlechter im Sinne der Gleichbehandlung.