Rückläufige Lieferkosten sowie die Umsetzung der Gas- und Strompreisbremsen können zu positiven Signalen für die Konjunktur führen und lassen auf eine nur milde Rezession hoffen.

Entgegen allen Prognosen, die den Beginn einer wirtschaftlichen Rezession im dritten Quartal 2022 vorausgesagt haben, entwickelt sich die Wirtschaftsleistung positiv. Nach den Angaben von DESTATIS konnte das Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent zulegen. In den ersten beiden Quartalen stieg es um 0,8 und 0,1 Prozent zum Vorquartal. Auch die Großhandelsumsätze zeigen sich weiter robust. Im August verzeichnen diese mit 5,4 Prozent den stärksten realen Zuwachs seit Januar 2022. Nominal stiegen die Umsätze um 24,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Großhandel trotzt den Unwägbarkeiten aus angespannten Lieferketten, steigenden Energiekosten und Inflation bislang vergleichsweise gut. Der BGA geht allerdings von einem weiterhin angespannten Wirtschaftsumfeld und damit einer verhaltenen realen Entwicklung im Großhandel aus.

Korrespondierend zu den zwischenzeitlichen Signalen einer Entspannung in den Versorgungsketten verzeichnet der Produktionsverbindungshandel im August eine positive Entwicklung. Mit einem realen Zuwachs um 6,8 Prozent weist der August eine der stärksten Zuwachsraten im Jahr 2022 aus. Durch die hohen Preisanstiege auf den Vorstufen laufen reale und nominale Entwicklung jedoch weiterhin stark auseinander. Der nominale Zuwachs betrug 31,4 Prozent. Als Lichtblick hervorzuheben, ist der Umsatz im Großhandel mit Maschinen und Ausrüstungen. Mit einem Anstieg um nominal 28,8 und real 15,3 Prozent verzeichnet er den größten Zuwachs in 2022. Tendenziell ähnlich entwickelte sich der Konsumgütergroßhandel. Dieser konnte nominal 16,3 und real 3,8 Prozent zulegen. Lediglich der Handel mit Lebensmitteln und Getränken weist einen weiteren, aber abgeschwächten realen Rückgang um 0,8 Prozent aus. Dagegen erreichte der Handel mit Ge- und Verbrauchsgütern einen realen Zuwachs um 5,2 Prozent und damit so viel wie seit Januar 2022 nicht mehr.

Während die Wirtschaft mit den Folgen der Energiekrise kämpft, deuten verschiedene Indikatoren auf eine Entspannung. So sinken beispielsweise die Frachtraten als ein Frühindikator der wirtschaftlichen Entwicklung wieder, wie aus der Grafik des Monats hervorgeht. Im Zuge der Corona-Krise begannen diese erst langsam und dann schnell zu steigen und erreichten im Jahr 2021 ein fast achtfach so hohes Niveau wie vor der Krise. Seit diesem Jahr fallen die Indikatoren. Allerdings liegen sie mit einem aktuellen Niveau von teilweise knapp 250 immer noch etwa doppelt so hoch wie zuvor. Der Trend deutet aber auf eine weitere Entspannung in Versorgung und Logistik. Dies dürfte sich positiv auf die konjunkturelle Entwicklung auswirken. Sinkende Rohstoffpreise, rückläufige Lieferkosten sowie die Umsetzung der Gas- und Strompreisbremsen können zu positiven Signalen für die Konjunktur und damit eine Wiederannäherung der Erwartungen an die Lagebewertung führen. Dann können nach Einschätzung des BGA auch die Hoffnungen auf eine nur milde Rezession in Erfüllung gehen.

Grafik des Monats

Quelle: Sachverständigenrat, Jahresgutachten 2022/23

Quelle: Sachverständigenrat, Jahresgutachten 2022/23

 

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