Die Finanzierungssituation der Unternehmen und Betriebe in Deutschland hat sich bis zum Frühjahr 2021 merklich eingetrübt und die Nachfrage nach Bankkrediten ist deutlich gestiegen.

Die Eintrübung des Finanzierungsklimas trifft vor allem die von der Corona-Krise besonders stark betroffenen Branchen: Dienstleistungsunternehmen und Unternehmen des Einzelhandels berichteten am häufigsten von Schwierigkeiten beim Kreditzugang. Der Anteil der Unternehmen, der im Frühjahr 2021 von Schwierigkeiten beim Kreditzugang berichtete, hat sich verdoppelt. Die positive Entwicklung der Eigenkapitalausstattung der Unternehmen seit der Jahrtausendwende ist vorläufig gestoppt. Neben Krediten werden eigenkapitalstärkende Finanzierungsformen nach der Krise an Bedeutung gewinnen. Dies sind zusammenfassend die zentralen Ergebnisse der KFW-Umfrage zur Unternehmensfinanzierung, die zum zwanzigsten Mal unter Unternehmen aller Größenklassen, Wirtschaftszweige, Rechtsformen und Regionen durchgeführt wurde. An der Umfrage haben knapp 1.600 Unternehmen aus 18 Spitzen-, Fach- und Regionalverbänden der Wirtschaft – so auch der BGA – teilgenommen. Die Unternehmensbefragung erfolgte im Zeitraum zwischen Mitte Dezember 2020 und Ende März 2021.

Die Finanzierungssituation der Unternehmen und Betriebe in Deutschland hat sich bis zum Frühjahr dieses Jahres merklich eingetrübt – insbesondere in den von der Pandemie am stärksten betroffenen Branchen wie im Dienstleistungssektor und im Einzelhandel. In der diesjährigen Unternehmensbefragung meldete mehr als jedes vierte befragte Unternehmen aktuell Schwierigkeiten beim Zugang zu Krediten – gegenüber dem Frühjahr 2020 hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt.

Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Bankkrediten im vergangenen Jahr deutlich gestiegen: 62,2 Prozent der Unternehmen und Betriebe haben Kreditverhandlungen geführt – ein Plus von rund 7,4 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Anstieg reflektiert den Corona-bedingt erhöhten Liquiditätsbedarf vieler Unternehmen – insbesondere im ersten Halbjahr 2020. Gefragt waren vor allem langfristige Kredite, die für den Aufbau von Liquiditätspolstern genutzt wurden.

Kreditzugang nach Wirtschaftszweigen

Quelle: Unternehmensbefragung 2021, © KfW 2021

Quelle: Unternehmensbefragung 2021, © KfW 2021

Die seit der Jahrtausendwende zu beobachtende positive Entwicklung der Eigenkapitalausstattung der Unternehmen und Betriebe dürfte sich im vergangenen Jahr nicht fortgesetzt haben, so die KFW in ihrer Analyse weiter. 39,5 Prozent der befragten Unternehmen berichteten von einer Verschlechterung ihrer Eigenkapitalquote. Lediglich 29,7 Prozent der Unternehmen meldeten eine Verbesserung. Die Corona-Krise hat dementsprechend auch die Ratingnoten, d. h. die Bonitätsbewertung vieler Unternehmen, unter Druck gesetzt: 34,5 Prozent der befragten Firmen meldeten eine Verschlechterung, lediglich 16 Prozent konnten ihre Ratingnote verbessern.

Die Befragungsergebnisse lassen ebenfalls vermuten, dass sich die aktuelle Krise auf die Finanzierungsinstrumente auswirkt, die für die Unternehmen zukünftig interessant bzw. zugänglich sind. Demnach könnten Unternehmen stärker Finanzierungsformen nutzen, die deren Eigenkapitalquoten schonen bzw. stärken. Dazu zählen insbesondere die Innenfinanzierung, Einlagen von Familie oder Gesellschafter sowie das Leasing. Aber auch Fremdkapitalinstrumente wie kurz- und mittelfristige Bankkredite werden nach Aussagen der Unternehmen insgesamt an Bedeutung zunehmen. Dagegen könnten bisher weniger genutzte Instrumente, wie z.B. Beteiligungskapital, Mezzanine Kapital, Factoring sowie Anleihen wahrscheinlich aufgrund ihrer spezifischen Finanzierungsfunktion vorübergehend an Bedeutung einbüßen.

Trotz der Schwere der Krise haben rund zwei Drittel der befragten Unternehmen und Betriebe im vergangenen Jahr Investitionen umgesetzt – im Vergleich zum Vorjahr aber in geringerem Umfang. Gleichzeitig meldeten rund 46 Prozent der Unternehmen, dass mindestens eine geplante Investition nicht umgesetzt werden konnte – besonders häufig aufgrund der schlechten Wirtschaftslage (30,7 Prozent). Diese Ergebnisse legen nahe, dass viele Unternehmen ursprünglich geplante Projekte nicht umsetzten konnten, aber durch (kleinere) Investitionsprojekte ersetzt haben, die ihnen halfen, sich besser an die Krisensituation anzupassen. Bei ihren Investitionsplänen für das aktuelle Jahr zeigen sich die meisten Unternehmen vorsichtig optimistisch. Rund sieben von zehn befragten Unternehmen planen, Investitionen zu tätigen. Rund 40 Prozent der Unternehmen wollen ihre Investitionsausgaben im Vergleich zum letzten Jahr sogar erhöhen.

„Die Corona-Krise hat die Unternehmen in Deutschland viele finanzielle Reserven gekostet. Gepaart mit einer hohen konjunkturellen Unsicherheit hat dies das Finanzierungsklima in den vergangenen Monaten merklich belastet. Dennoch mehren sich die Zeichen der Erholung. Insbesondere bei der Investitionstätigkeit zeigen sich die Unternehmen für dieses Jahr vorsichtig optimistisch. Mit Blick auf die notwendige Transformation hin zu einer digitalen und klimaneutralen Wirtschaft ist ein Investitionsschub auch dringend notwendig.“ – so die Bewertung der KFW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib zu den Ergebnissen der Unternehmensbefragung.

Die Umfrageergebnisse können Mitglieder von grosshandel-bw nachstehend runterladen.

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