Aus der Veranstaltungsreihe von grosshandel-bw zur Zukunft des Großhandels im digitalen Wandel ergaben sich interessante Erkenntnisse zur Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle der Branche.

Der digitale Wandel beinhaltet wesentlich mehr als die bloße Automation von Prozessen. Selbst Unternehmen, die in der gesamten Prozesskette vollständig digitalisiert sind, verlieren  ihre Zukunftsfähigkeit, wenn das Geschäftsmodell überholt ist. Wenn sich Großhandelsunternehmer deshalb fragen, wie der digitale Wandel angegangen werden soll, sollte der Blick auf die gesamte Lieferkette auch außerhalb des eigenen Unternehmens gelenkt werden. Entscheidend wird in Zukunft sein, inwiefern  Großhandelsunternehmen bei Zulieferern und Abnehmern Zusatznutzen stiften können und sich somit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können.

Diese Quintessenz, so banal sie klingen mag, stellt eine der wichtigsten und mit weitreichenden Konsequenzen ausgestatteten Erkenntnisse der Veranstaltungsreihe von grosshandel-bw zur Zukunft des Großhandels im digitalen Wandel dar. Dass die Weichenstellung und rechtzeitige Anpassung des Geschäftsmodells von größter Wichtigkeit ist, zeigt auch die Tatsache, dass das vom Verband in Partnerschaft mit dem Baden-Württembergischen IHK Tag durchgeführte Projekt vom baden-württembergischen Wirtschaftsministerium gefördert wurde und dieses sogar als Mitveranstalter auftrat. Insgesamt 450 Teilnehmer vorwiegend aus mittelständischen Großhandelsunternehmen in Baden-Württemberg, aber auch aus Politik, Kammern und Verbänden, nutzten die Gelegenheit, sich bei insgesamt fünf verschiedenen Veranstaltungen zu vernetzen und über den Einfluss der Digitalisierung die Geschäftsmodelle im Großhandel zu diskutieren.

Während am Tag des Großhandels am 28.06.2018 Praxisbeispiele für neue digitale Wertschöpfung und Grundsatzimpulse zur Anpassung der Geschäftsmodelle dominierten, folgten in den vier im Herbst 2018 durchgeführten Fach-Foren kleinere Formate, die sich vertiefend mit der Zukunft des Außendienstes und mit der konkreten Ausgestaltung von Prozessen in Großhandelsunternehmen beschäftigten.

Eine Antwort auf den digitalen Wandel könnte nach Meinung der Referenten und Teilnehmer in digitalen Serviceleistungen liegen. Insbesondere, wenn man die Annahme voraussetzt, dass die branchenübergreifende Vernetzung von Unternehmen aufgrund der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gerade bei Onlineanwendungen immer stärker werden wird, besteht die Chance und Aufgabe zugleich darin, dass der Großhandel seinen Part in diesen vernetzten Unternehmenswelten findet. Selbst wenn Hersteller durch Direktvertrieb das Geschäftsmodell des Großhandels in Frage stellen, wird wohl die spezifische Serviceleistung ein Feld bleiben, in dem der Großhandel auch in Zukunft brillieren kann. Wenn dies mit einfachen und praktischen digitalen Onlineanwendungen auch branchenübergreifend kombiniert wird, kann daraus neue digitale Wertschöpfung und damit ein zukunftsfähiges Alleinstellungsmerkmal generiert werden. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe durften dies die Teilnehmer anhand eingängiger Praxisbeispiele nachvollziehen und eigene Ideen entwickeln, wie dies im eigenen unternehmerischen Umfeld positiv umgesetzt werden kann. Gerade diese Serviceausrichtung wird auch entsprechend Einfluss auf die Unternehmensstruktur und gerade die Aufstellung des Außendienstes haben. Auch hier zeigten die Veranstaltungen deutlich, dass ein Trend dahin geht, dass der Außendienst keineswegs obsolet wird, aber zukünftig immer stärker Serviceaufgaben wahrnehmen könnte. Gerade in den digitalen Möglichkeiten, die aktuell noch bei vielen Unternehmen getrennt vom persönlichen Außendienst sind, sind erhebliche Synergieeffekte verborgen, wenn im Rahmen einer  einheitlichen digitalen Strategie die Aufgabe des Außendienstes mit den digitalen Prozessen und Vertriebswegen kombiniert wird.

„Aus der überaus positiven Resonanz auf unsere Veranstaltungsreihe zur Zukunft des Großhandels im digitalen  Wandel leiten wir den Auftrag ab, für die baden-württembergischen Großhandelsunternehmen genau an diesem Thema weiterzuarbeiten. Wir haben deshalb mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums das Ferdinand-Steinbeis-Institut in Stuttgart mit einer Studie genau zu diesem Thema beauftragt. Parallel laufen sogenannte Micro Testbeds speziell für den Großhandel, die ebenfalls Erkenntnisse liefern sollen“, kommentierte Boris Behringer, Hauptgeschäftsführer von grosshandel-bw, das Projekt.

Bei den angesprochenen Micro Testbeds handelt es sich um ein vom Ferdinand-Steinbeis-Institut in Stuttgart entwickeltes Format, bei dem fünf bis sieben mittelständische Unternehmen branchenübergreifend neue Wege zur digitalen Wertschöpfung erproben. Im Rahmen der laufenden Studie werden aus den Erkenntnissen der Micro Testbeds und der Analyse von Prozessen in Großhandelsunternehmen Erkenntnisse dahingehend abgeleitet, inwiefern der Großhandel seine derzeitigen Stärken digitalisieren und in branchenübergreifend vernetzte Unternehmenswelten einbringen kann.

„Es soll dabei nicht bei wissenschaftlichen Papierstapeln für die Schubladen bleiben. Wir haben mit dem Steinbeis-Institut vereinbart, dass ein praxisgerechter Leitfaden erstellt wird, der den Unternehmen Hilfestellung bei der Überprüfung und Anpassung der individuellen Geschäftsmodelle geben  soll“, so Behringer.

Die Ergebnisse der Studie und der Micro Testbeds werden im Rahmen einer Veranstaltung von grosshandel-bw am 21. Mai 2019 exklusiv im Business-Center der Mercedes-Benz Arena in Stuttgart vorgestellt. Der Verband wird rechtzeitig gesondert zu dieser Veranstaltung einladen und die Online-Anmeldemöglichkeit auf www.grosshandel-bw.de freischalten.

Zu den Vorträgen und Impressionen aus den Fach-Foren geht es hier: www.tag-des-grosshandels.de