Zahl der Menschen aus Hauptasylherkunftsländern in Ausbildung erneut angestiegen.

Die Partner des baden-württembergischen Ausbildungsbündnisses haben beim Spitzengespräch zur Ausbildungssituation in Stuttgart unter Leitung von Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut über den Ausbildungsmarkt 2018 diskutiert.

Wirtschafts- und Arbeitsministerin Hoffmeister-Kraut: „Ein stabiler Ausbildungsmarkt ist angesichts unseres großen Bedarfs an Fachkräften eine wichtige, positive Entwicklung. Zum 30. September 2018 gibt es ein leichtes Plus gegenüber 2017 von 850 neuen Ausbildungsverträgen in Industrie, Handel, Dienstleistungen und Freien Berufen. Im Handwerk liegt die Zahl auf dem Vorjahresniveau. Unter den neuen Auszubildenden sind erneut mehr junge Menschen aus den Hauptasylherkunftsländern. Das freut mich sehr, denn eine Ausbildung ist ein hervorragender Weg zur Integration in Beruf und Gesellschaft.“

Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge mit Auszubildenden aus den acht Hauptasylherkunftsländern plus Gambia ist zum Start des Ausbildungsjahres im Herbst 2018 auf 2.911 angestiegen (Vorjahr 2.387, +22 Prozent). Diese jungen Menschen absolvieren ihre Ausbildung zu etwa gleichen Teilen in Handwerk (1.476) sowie Industrie und Handel (1.435, Quelle: BWIHK, BWHT).

Ausbildungsbilanz 2018

Zur aktuellen Ausbildungsmarktsituation legte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit ihre Ausbildungsbilanz 2018 (Stichtag 30. September 2018) vor:

Von Oktober 2017 bis September 2018 wurden den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern in gemeinsamen Einrichtungen insgesamt 82.089 (+4,2 Prozent) Berufsausbildungsstellen gemeldet. Die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber hat sich aufgrund rückläufiger Schulabgängerzahlen im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent verringert. Seit Beginn des Beratungsjahres am 1. Oktober 2017 haben insgesamt 66.240 Bewerberinnen und Bewerber die Ausbildungsvermittlung der Agenturen und der Jobcenter bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle in Anspruch genommen. Das waren 1.161 weniger als im Vorjahreszeitraum. Rund jede zweite gemeldete Bewerberin bzw. jeder zweite gemeldete Bewerber mündete in eine Berufsausbildung (52,2 Prozent) ein.

Die Zahl der Bewerber aus den Entlassklassen der Vorjahre (sogenannte Altbewerber) ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,0 Prozent auf 25.370 gesunken. Unter allen Ausbildungsplatzsuchenden waren 4.009 Bewerberinnen und Bewerber 25 Jahre oder älter. Über einen Hauptschulabschluss verfügten 22,9 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber, wovon 52,5 Prozent einen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben.

Aus dem Personenkreis geflüchteter Menschen kommen immer mehr junge Menschen auf dem Ausbildungsmarkt an. Von Oktober 2017 bis September 2018 waren es 4.994 Bewerberinnen und Bewerber (+40 Prozent) im Kontext Flucht, die mit Unterstützung einer Agentur für Arbeit oder eines Jobcenters eine Berufsausbildung suchten. Davon konnten 2.129 (+30,7 Prozent) eine Berufsausbildung beginnen.

Am Ende des Berufsberatungsjahres waren noch 1.062 Bewerberinnen und Bewerber (+8,6 Prozent) vollständig unversorgt, dies sind 84 mehr als im Vorjahr. Zusätzlich suchen noch weitere 8.185 junge Menschen eine Ausbildungsstelle. Sie haben aktuell nur eine in ihren Augen zweitbeste Alternative (beispielsweise Schule oder Arbeit) angenommen.

Der Ausbildungsmarkt bleibt rein rechnerisch ein „Bewerbermarkt“: 8.975 unbesetzte Ausbildungsstellen (+17,2 Prozent) stehen 9.247 Ausbildungssuchenden gegenüber. Das entstehende Delta nahm im Vergleich zum Vorjahr von 1.895 auf 272 Jugendliche ab. In einzelnen Berufen, Branchen und Regionen zeigen sich Ungleichgewichte.

Auslandspraktika im Rahmen der betrieblichen Ausbildung

Das Schwerpunktthema des Spitzengesprächs waren Auslandspraktika von Auszubildenden. „Gerade im Exportland Baden-Württemberg brauchen wir Fachkräfte mit Fremdsprachenkenntnissen und interkulturellen Erfahrungen. Wir wollen deshalb, dass schon in der Ausbildung durch Auslandpraktika der Grundstein dafür gelegt wird“, so die Ministerin. Das Wirtschaftsministerium hat dazu eine Broschüre „Neugierig auf Europa? – Programme für Auszubildende“ veröffentlicht.

Auslandspraktika zu befördern ist auch das Ziel der von Land und Wirtschaft geförderten Servicestelle Go.for.europe. Diese feiert 2018 ihr 10-jähriges Jubiläum und organisiert Auslandsaufenthalte und unterstützt Betriebe und Auszubildende. Getragen wird Go.for.europe gemeinsam vom BWIHK, vom Baden-Württembergischen Handwerkstag und vom Arbeitgeberverband Südwestmetall.

5,1 Prozent der Absolventen, die 2017 ihre Ausbildung in Baden-Württemberg beendet haben, führten im Rahmen ihrer Ausbildung einen Auslandsaufenthalt durch (Quelle: Studie Auslandsaufenthalte in der Berufsausbildung 2017, Nationale Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung, 2018).

Die Studie kommt außerdem bundesweit zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Zahl der Auszubildenden mit Auslandserfahrungen hat sich seit 2010 verdoppelt.
  • Hauptziel ist Großbritannien, gefolgt von den Niederlanden und von Frankreich.
  • Überdurchschnittlich vertreten sind Auszubildende aus den Berufen des Tourismus, der Hotel- und Gaststättenbranche, in IT-Berufen und Elektroberufen sowie im Beruf Industriekaufmann/-frau.
  • Die Mehrzahl der Auszubildenden mit Auslandserfahrung kommt aus kleinen und mittleren Unternehmen (63 Prozent).
  • Betriebe sehen positive Wirkungen vor allem in der Stärkung der persönlichen Kompetenzen wie Motivation, Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft und Selbstbewusstsein, d. h. die berufliche Handlungsfähigkeit wird gestärkt.
  • Auslandsaufenthalte sind nach Ansicht der Betriebe auch ein Plus im Ausbildungsmarketing und machen die Berufsausbildung insgesamt attraktiver.

Die Partner des Ausbildungsbündnisses haben sich zum Ziel gesetzt, die Anzahl der EU-geförderten Auslandspraktika von Auszubildenden aus Baden-Württemberg von 1.600 (2013) auf 2.500 (2018) zu steigern. Dieses Ziel konnte bereits im Jahr 2017 mit 2.641 Auslandspraktika erreicht werden. Ministerin Hoffmeister-Kraut: „Das ist sehr erfreulich. Wir wollen aber, dass noch mehr Auszubildende Auslandserfahrungen sammeln. Davon profitieren sowohl die Betriebe als auch die Auszubildenden.“